Nora oder ein Puppenheim, HB
Der Regisseur hat Ibsen beim Wort genommen und seine Akteure in ein Puppenhaus gestellt, umschlossen von einer hohen dichten Grünpflanzenmauer. Und so agieren sie auch: steif, von einer äußeren Macht geführt, in Rollen versetzt, denen sie nicht widersprechen können. Zaghafte Versuche, aus ihren Zwängen auszubrechen, sind zum Scheitern verurteilt. Allerdings kann der Textunkundige die menschliche und gesellschaftliche Tragödie, die sich hier abspielt, nur annähernd verstehen. Denn die Umsetzung eines hinreichend ausgeschöpften Themas der Weltliteratur in ein verwirrendes Rollenspiel programmierter Menschenpuppen beinhaltet ein comedyähnliche Sprechblasenstakkato, eine genderübergreifende Rollenverteilung und eine durchgehende Tiefkühlatmosphäre. Sie verzichtet weitgehend auf inhaltliche Fortschreibung.