Category Archives: Klassik/ Moderne

Permalink to single post

Der Kirschgarten, HB

So wuseln und flirten und feiern sie alle miteinander, in letzter Hoffnung nach dem Motto: wer sich die Hand vor die Augen hält, wird nicht gesehen… Und als sie Lopachim in seiner freundlichen Art davon in Kenntnis setzen muß, dass er ihren Kirschgarten gekauft und das Wochenendhausprojekt verwirklichen wird, erwachen sie nicht zu neuem Bewußtsein, sondern verharren in Starrsinn und verletzter Standesehre. Dass dieser Lopachin mit Robin Sondermann die Sympathie der Regisseurin und auch die des Publikums gewinnt, ist ein Novum in der Interpretation dieses Stückes – wurde er doch bisher gern als Vorläufer des Raubtierkapitalismus gesehen, der die Tradition mit Brutalität ausrottet.

Permalink to single post

Der Kirschgarten, B

Für diese Inszenierung hat Katrin Hoffmann die breite lange Bühne vollkommen in Flokatiteppiche gehüllt, die unter sich auch den Rest der wohl schon ausverkauften Möbel begraben und nun eine Tummelwiese für die aus Paris heimkehrende Familie darstellen, die das Gut während ihrer sorglosen Abwesenheit der Halbtochter überließ. Voller Glückseligkeit über das alte Zuhause und in gewohnt aristokratischer Geldnot, kann jedoch niemand begreifen, dass Haus und Kirschgarten schon bald zur Tilgung der immensen Schulden verkauft werden sollen.

Permalink to single post

Antigone/Hyperion

Für die Schauspieler, die zwischen der Altkleidersammlung und an einem in der Mitte des Raumes placierten Rednerpodest – dann und wann mit Mikroverstärkung ihre statements verkünden, ist diese Inszenierung eine strapaziöse Aufgabe. Denn nicht nur die befremdliche Sophokles-Übersetzung Hölderlins verzichtet auf rasch erfassbare Aussagen, auch den poetisch überhöhten Hyperion-Text versteht man nur schwer – teils, weil alle Darsteller wie immer zu schnell sprechen, aber diesmal auch zu undeutlich artikulieren – als ob sie alles zwar intensiv, aber rasch hinter sich bringen wollen.

Permalink to single post

Cosí fan tutte, HB

Ein Stück von zwiespältiger Schönheit – selten wird es komisch aufgefasst, immer steht die tragische Komponente im Vordergrund. Mit Ausnahme der Rolle von Despina, die den komischen Part übernehmen darf (in Bremen sehr glücklich ausgespielt). Die poetische Versführung ist leider in fast keiner Übersetzung gut getroffen, zumal, wenn sie verkürzt in deutscher Fassung projiiziert wird. Deshalb gilt es, intensiver auf die Orchestrierung zu achten, wie z.B. in der Abschiedsszene, wenn die Männer „in See stechen“, hören wir gedämpfte Geigen und Bratschen, weich begleiten die Basspizzicati und schwebende Bläsertöne das von sanfter Melancholie und echter Trauer gestaltete Bild.

« Older Entries Recent Entries »